Verhandlungen begegnen uns immer und überall. Sowohl im Beruf, als auch im Privatleben. Nicht umsonst sagte der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes, Chris Voss, einst treffend “Die gefährlichste Verhandlung ist die, die dir nicht bewusst ist, obwohl du dich mittendrin befindest”. 

Gerade im Privatleben, dort, wo wir harte Verhandlungen eigentlich nicht erwarten, heißt es also “Augen auf”. 

Die Zeitschrift ELTERN hat das Thema vom Verhandeln in Beziehungen in seinem Artikel “Schatz, wir können reden!” wunderbar aufgegriffen. 

Als Verhandlungsexpertin durfte ich mit meinen  9 Profi-Tipps, die im Gehaltsgespräch genau so funktionieren, wie bei der Urlaubsplanung mit Baby, einen Beitrag zu diesem Artikel leisten und freue mich sehr, Ihnen diese nun auch hier auf meinem Blog zu präsentieren:

Tipp 1: Wer nicht verhandelt, hat schon verloren!

Verhandeln ist nicht immer einfach, denn gerade im Privaten geht es schnell auf die persönliche Ebene. Wir verhandeln mit unseren Partnern ständig über Themen, die unser Wertesystem betreffen und umgekehrt. Es geht um unsere Identität und genau das kann richtig weh tun. 

Aber dem unangenehmen Krach ausweichen ist keine Option: nur, wer seine Bedürfnisse klar kommuniziert, kann erwarten, dass unser Partner diese überhaupt wahrnimmt und sich mit uns auf eine Suche nach gemeinsamen Lösungen einlässt. Andernfalls kann es dazu kommen, dass unser Partner eine völlig falsche Vorstellung davon bekommt, was uns wichtig ist und was uns stört.

Mein Tipp an dieser Stelle: Feuer frei! Und damit meine ich nicht, sich direkt die Köpfe einzuschlagen. Es ist mehr eine Einladung zum gegenseitigen Austausch: klar zu sagen, was einen stört und gut zuzuhören, was sich unser Gegenüber von uns wünscht. 

Tipp 2: Klarheit macht Liebe 

Mit dem Baby verreisen? Wie viele Stunden soll das Kleinkind in der Krippe betreut werden? Als Eltern steht man gemeinsam vor unzähligen Entscheidungen. 

Wenn man sich bei verschiedenen Themen uneinig ist, kann das besorgniserregend sein und schon mal dafür sorgen, dass man anfängt, seine Beziehung grundlegend zu hinterfragen: “Warum hat mein Partner eine so andere Vorstellung von dem, was ich will? Passen wir denn überhaupt zusammen?” 

Dabei sollte man solche Meinungsverschiedenheiten statt einer Bedrohung als Chance verstehen, seinen Partner noch besser kennenzulernen! Hier hilft es, einfach zu fragen, wenn man etwas nicht genau versteht: Was bewegt meine/n Partner:in zu seiner/ ihrer Haltung. 

Zeigt Interesse und bleibt neugierig, damit ihr noch besser verstehen könnt, wie euer Gegenüber tickt! Das schafft eine viel stärkere Verbindung und hilft uns besser, anstatt zu versuchen, den eigenen Willen durchzusetzen. 

Tipp 3: Wer was will, braucht Zeit 

Wenn wir beginnen miteinander zu verhandeln, sind wir uns dann immer bewusst, was wir eigentlich wollen? Sicherlich haben wir eine grobe Vorstellung. Aber, was wäre eigentlich das Beste, was uns passieren könnte? Und hier dürfen wir vollkommen wertungsfrei (“Mein Partner lässt sich doch sowieso nicht auf diese Option ein…”) in uns hören und unsere eigenen Ziele, aber auch Alternativen verstehen. Also, was sind Plan B oder C und was wäre eine absolute Grenze, über die sich nicht verhandeln lässt? 

Oft denken wir in schwarz-weiß und entweder-oder, aber dazwischen gibt es so viele Optionen und Möglichkeiten, ein Problem zu lösen. Gut also, wenn Sie vorher wissen, was Sie möchten. 

Tipp 4: Wehe, du drohst mir!

Drohungen sind in einer Verhandlung fehl am Platz. Was einige nutzen, um machtvoll und groß zu wirken und um sich gegen das Gegenüber durchzusetzen, hinterlässt beim anderen nur negative Gefühle. Und mit ein- oder beidseitiger schlechter Laune verhandelt es sich ganz und gar nicht gut. 

Viel besser ist es, wenn Sie Ihrem Gegenüber die Konsequenzen seines/ ihres Handelns aufzeigen und auf mögliche Alternativen hinweisen. 

“Wenn du überhaupt keine Elternzeit nehmen und dich ganz auf deinen Job konzentrieren willst, dann schwächst du deine Position als Vater/ Mutter und gleichzeitig lastet die gesamte finanzielle Verantwortung auf deinen Schultern. Wäre es nicht sicherer für alle und partnerschaftlicher, einen Ausgleich zu finden?” 

ELTERN

Tipp 5: Der unsichtbare Dritte 

“Hallo, wer spricht denn da?” 

Vielleicht kennen Sie das: in einer Diskussion mit Ihre/r Partner:in sagt er/sie Dinge, die Sie irgendwie an die Floskeln der Schwiegermutter, des besten Freundes oder der Mami-Influencerin erinnern..? 

Oft ist es so, dass wir uns unsere Haltung von unseren Vorbildern abschauen oder die Interessen unseres Umfeldes vertreten wollen. Das ist erst einmal auch in Ordnung, nur ist es wichtig, vor dem Partner mit offenen Karten zu spielen und die sogenannten “unsichtbaren Dritten” aufzudecken, damit Motive besser nachvollzogen werden können. Dann wird es auch einfacher, über genau diese Argumente zu sprechen.

Tipp 6: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. 

Wir alle, und da ist Ihr/e Partner/in nicht von ausgeschlossen, drücken unsere Emotionen nicht nur über die Worte, die wir sagen aus. 

Unsere Sprache kann manchmal unverständlich sein, oder wir sagen sogar etwas, was wir gar nicht so meinen. Gut, dass sich mindestens genauso viel über unsere Mimik, Gestik, Körperhaltung oder Stimme abspielt. Und diese emotionalen Signale lügen nicht!

Also: Handy weg und Augen und Ohren auf! Richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit darauf, was und auch darauf, wie ihr/e Partner:in es sagt. 

Wer Emotionen gut erkennen kann, der kann leichter versteckte Antreiber ans Licht bringen und sie ansprechen. Das hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Gegenüber, im Gespräch weiterzukommen.

Tipp 7: Raus aus der Sackgasse

Sie kennen das: Man diskutiert und redet sich förmlich den Mund fusselig, doch etwas Produktives kann und will bei dem Gespräch einfach nicht rumkommen. Man hat sich verrannt und egal wie oft man es versucht, landet immer wieder beim selben Punkt: der Sackgasse. 

In diesen Momenten hilft nur eins: es einfach für den Moment sein lassen und akzeptieren, dass jetzt keine kluge Lösung auf das Problem gefunden werden kann. 

Viel besser ist es, das ganze nicht direkt als gescheitert zu deklarieren, sondern das Gespräch einfach auf einen anderen Tag zu vertagen und dann mit frischer Energie zu starten. Aber Achtung: wer noch den Groll vom Vortag spürt, der sollte sich mit der zweiten Runde noch ein wenig länger gedulden, bis alle Emotionen abgekühlt sind und sich das Problem wieder rational betrachten lässt.

Tipp 8: Überzeugen? Typfrage!

Wir alle sind irgendwie anders und das macht uns als Typen einzigartig. Da gibt es zum Beispiel den Denker, der viel Zeit braucht, um alles genau zu analysieren oder den Macher, der lieber direkt losrennt und die Dinge anpackt. 

Dann gibt es Menschen, denen nichts so wichtig ist, als die Harmonie untereinander zu bewahren oder auch den kreativen Entertainer, der Abwechslung und Action braucht. 

Diese Typen wollen in jeder Verhandlung beachtet werden. Auch hier ist kein schwarz-weiß-Denken angesagt: Jeder trägt ein bisschen von allem in sich, doch einige Felder sind immer stärker ausgeprägt als die anderen. Ihr kennt eure/n Partner:in und habt sicher eine Ahnung, wo ihr ihn/ sie einordnen würdet. Beachtet das in euren Diskussionen und seid gut zu ihrem Wesen.

Tipp 9: irgendwie, irgendwo, irgendwann?

Bravo, ihr seid euch einig geworden! Das ist in jedem Fall ein Grund zur Freude, doch bei der ganzen Euphorie über die tolle Einigung sollte eins nicht zu kurz kommen: ein genauer Schlachtplan, wie ihr die Dinge nun angehen wollt. 

Also, was müssen du und dein/e Partner:in tun, um die Abmachung zu erfüllen und in welchem Zeitrahmen sollte was passieren? Hier lohnt es sich, genauso strategisch wie beim Projektmanagement in einer Firma vorzugehen: denn auch die Umstände in einer Familie ändern sich laufend und so schafft eine gut durchdachte Struktur Sicherheit für eure Planung und mögliche Planänderungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.